In den meisten Länder Europas entstehen seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, mit einer Muschel markierte Wander- und Radwege: dies sind die Jakobswege (Caminos de Santiago, Routes of St. James, Chemins de St. Jacques). Die Pilgerwege sind vor allem für diejenigen gedacht, die allein oder in kleiner Gruppe durch Europa pilgern und den gemeinsamen geistige Quelle des Kontinents erleben wollen. Sie möchten die Zwiesprache mit Gott führen, zu sich finden, das eigene Leben neu ordnen, oder nur eine Auszeit nehmen. Mancher möchte unterwegs andere Menschen treffen, um unbekannte und doch so nah liegende Kulturen kennen zu lernen, oder einfach nur interessante Orte zu entdecken. Wieder andere begeben sich auf den Weg nach dem Motto „reiner Körper – reiner Geist”, weil eben die geistige Erfahrung auf dem Weg das Wichtigste ist. Es ist also nicht nur ein Wanderweg, sondern auch ein Wandelweg.

Der aus Polen stammende Papst Johannes Paul II, hatte die Idee, den Sinn der Jakobswege innerhalb Europas wieder in Erinnerung zu rufen. Unter den Pilgerwegen nach Santiago de Compostela befinden sich auch einige Jakobswege, die von Polen aus führen. Es wäre erwähnenswert dass nicht nur die bekanntesten Caminos zu laufen sind, sondern auch andere, in Westeuropa wenig bekannte Abschnitte, zu begehen sind.

Innerhalb Polens wiederbelebte Caminos wären unter anderem der Camino „Droga Wielkopolska” (Grosspolnischer Jakobsweg) und „Droga Dolnośląska” (Niederschlesischer Jakobsweg) von Gniezno-Poznań-Głogów-Zgorzelec (Gnesen-Posen-Glogau-Görlitz-BRD, also polnischer Teil des trinationalen Jakobsweges Gnesen-Görlitz-Prag) oder der Camino Via Regia von der Grenze zur Ukraine uber Przemyśl-Rzeszów-Krakau-Piekar-Annaberg-Oppeln-Brieg-Breslau-Liegnitz-Görlitz. Wir helfen Ihnen gern beim pilgern auf Camino in Polen.


Informationen und praktische Hinweise

1. Pilgerführer und Pilgerausweis (Credencial, poln. Paszport Pielgrzyma) sind unter info@camino.net.pl zu bestellen. Fur die durch Schlesien fuhrenden Wege sind die Führerbücher auch in der deutschen Sprache erhältlich – sie sind den Pilgerführern in polnischer Sprache gleich, mit den Skizzen der Landkarten und mit den Bildern. Dank dem Pilgerpass können Sie sich in den Herbergen und unterwegs als Pilger ausweisen – deswegen beinhaltet er die Informationen in der polnischen Sprache, für die örtlichen Leser.


2. Sprache
Die polnische Sprache ist eine slawische Sprache und gilt als eine der schwierigsten europäischen Sprachen. Das grammatische Geschlecht wird nicht wie in der deutschen Sprache mit Hilfe eines Artikels gekennzeichnet, sondern mit der Wortendung. Der Nachname einer Frau endet in der Regel auf -ska (Frau/pani Kamińska), des Mannes auf -ski (Herr/pan Kamiński), aber pani/pan Nowak. Die Substantive werden durch sieben Fälle dekliniert und kleingeschrieben. Der Infinitiv endet auf -ać, -eć, -ć. Die polnische Sprache ist in Mitteleuropa beheimatet und eng mit anderen slawischen Sprachen verknüpft. Weil viele junge Menschen die Fremdsprachen lernen, kann man sich unterwegs in der englischen, französischen (selten) oder deutschen Sprache verständigen. Neben der gesprochenen Sprache funktioniert immer noch die Zeichensprache und der herzliche und aufrichtige Wille sich zu verständigen.Ein kleines Wörterbuch:

 

 

guten Tag
guten Abend
gute Nacht
bitte
danke
wie komme ich nach/zum…
Bahnhof
Bus
Zug
Straßenbahn
Flughafen
wo kann ich übernachten/essen?
Jugendherberge
Übernachtungen/privat
Tee
Kaffee
Bier
Wasser
Wein
Brot
Butter/Margarine
Käse
Wurst
    dzień dobry
dobry wieczór
dobranoc
proszę
dziękuję
jak dojdę/dojadę do …
dworzec (główny)
autobus
pociąg
tramwaj
lotnisko
gdzie mogę przenocować/zjeść?
schronisko młodzieżowe
noclegi prywatne
herbata
kawa
piwo
woda
wino
chleb
masło/margaryna
ser
kiełbasa

3. Wetter/Reisezeit: Die beste Pilgerzeit ist Mitte/Ende Mai bis Mitte/Ende September. Im Juli und August kann es sehr heiß werden. Ähnlich wie in Westeuropa kann es zu wechselnden Wetterverhältnissen kommen. Im Frühling duften die durch Bauer bestellte Äcker und ab August schenkt die Natur ihre Gaben. Ab September beginnt der sogenannte „złota polska jesień” (Altweibersommer), eine wunderschöne Pilger- und Wanderzeit.
Die Ferien in Polen dauern eine lange Sommerperiode. Sie beginnen etwa Mitte Juni und enden traditionell am 31. August. Aus diesem Grund kann es bei Übernachtungen in Herbergen, Hotels etc. zu Engpässen kommen.

4. Verkehr: In Polen ist das Flug- und Busnetz auf einem guten Niveau; die Bahn braucht noch gewisse Investitionen. Aus vielen deutschen Flughäfen gibt es Direktflüge nach Breslau, Kattowitz, Posen, Danzig oder Warschau. Von hier aus kann man mit dem Transferbus zum Hauptbahnhof kommen und weiter mit dem Zug oder mit dem Bus zum Beginn der Pilgerstrecke fahren. Die Fahrpreisen in den Regionalverbindungen beträgen ca. 4 € für jede 50 km.   

  • Diejenigen, die ab Gniezno beginnen möchten (Camino in Richtung Prag) – mit Zug oder mit dem Flugzeug nach Posen/Poznań. Hbf Poznań – mit dem Zug/Bus bis Gniezno   
  • Diejenigen, die ab Brieg, Oppeln oder in Glogau beginnen möchten – mit Flugzeug nach Breslau/ Wrocław Hbf Wrocław – mit dem Zug oder Bus nach Głogów   
  • mit Zug nach Głogów über Wrocław, Poznańwww.pkp.pl oder rozklad.pkp.pl5. Geld: Nach der letzten Euro-verwirrungen, Polen bleibt nach wie vor Stolz auf eigene Wahrung – Złoty. Deshalb ist ein Geldumtausch notwendig. Hier und da kann man auch mit Euro bezahlen, aber die Erfahrungswerte besagen Abstand zu nehmen. Die Geldwechselstuben (Kantor) befinden sich sowohl an den Flughäfen als auch in der Stadt. Die Banken tun das Geldwechseln nicht gern. Den täglichen Wechselkurs erfährt man in den Wechselstuben (Frühling 2016 ist der Kurs um 1 € = 4,30 Zloty – www.nbp.pl (the webside of the Polish National Bank) – Am Flughafen erhalten Sie meistens den ungünstigsten Wechselkurs. Deshalb nur einen Notumtausch machen, dabei die Uhrzeit bedenken. In jedem Bankomat (Geldautomat) erhalten Sie mit Ihrer Maestro-, Master-, Visa -Card ohne Probleme Złoty. Einige Geschäfte und fast alle Tankstellen akzeptieren oben genannte Geldkarten. In den kleineren Ortschaften wird meistens nur Bargeld genommen.6. Einkaufsmöglichkeiten: Sie werden staunen, aber im katholischen Polen, sind Geschäfte sogar zurzeit immer noch am Sonntag geöffnet (abnehmbare Tendenz). Nach der Sonntagsmesse öffnet das Dorfgeschäft. Die Lebensmittelartikel kauft man in „Sklep spożywczy”. In den Städten finden Sie ähnlich wie in Westeuropa Einkaufszentren. Aber alles was notwendig ist, finden Sie in einem kleinen Laden an der Straßenecke. Die Tante Emma fuhlt sich gut. Wenn Sie ein Naturliebhaber sind und ein bisschen Glück haben sollten, können Sie beim Bauer Milch kaufen. Manchmal werden Sie zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. Die polnische Bevölkerung ist noch in der Mehrheit sehr gastfreundlich.

    7. Restaurant: Mittagsessen bekommen Sie unterwegs entweder in Restaurants, Gospoda, Karczma, Zajazd weniger in den Bars. Sie werden auch kleine Imbißstuben finden. Probieren Sie doch die polnische Spezialitäten – verschiedene Pierogi, Żurek, Jagodzianki, Bigos, Flaki und vieles mehr. Lassen Sie sich die polnische Küche schmecken. Die Essportionen sind selten besonders groß, aber für 20 bis 25 zł (ca. 5 €) wird jeder satt. Es darf erwähnt werden, dass das Essen meistens selbstgekocht ist, und sehr oft Bioprodukte verwendet werden. Essen a´la Catering werden Sie in Restaurants vorfinden. Weinliebhaber kommen leider nicht auf Ihre Kosten. Statt dessen bestellen Sie polnisches Bier. Traditioneller polnischer Wodka lassen Sie lieber am Ende des Pilgertages geniessen. Sie werden feststellen müssen, dass…mhhh.

    8. Sicherheit: Die negativen Schlagzeilen gehören der Vergangenheit an. Die Sicherheitsrisiken sind nicht größer als in anderen Ländern. Die Pilger sind, ähnlich wie in Spanien, auf eigene Verantwortung unterwegs*. Bis dato ist kein Zwischenfall bekannt, was nicht bedeuten soll, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. In der Dunkelheit zu pilgern, ist abzuraten, da die Markierung übersehen werden kann. In den Dörfern werden Sie bestimmt bellende und knurrende Hunde treffen. Am besten ist, die Hunde zu ignorieren, und über sie wegschauen. In Ausnahmenfällen ist ein Wanderstab hilfreich.
    * Anmerkung der Übersetzerin – Als Frau bin ich allein von Danzig nach Berlin, Krakau-Tschenstochau, Rzeszów-Grenze Ukraine, Góry Świętokrzyskie gewandert. Ich habe mich niemals bedroht gefüllt, obwohl meine Wanderwege durch Wälder und Felder führten. Die wenigen Bauern und andere, die ich unterwegs getroffen habe, waren sehr verblüfft und sehr hilfsbereit. Ich wurde sehr oft zu ihnen nach Hause eingeladen.


    9. Markierung:
    Auf der Pilgerlänge ist der Camino mit der Jakobsmuschel auf einer 10×10 cm Tafel, Aufkleber oder direkt auf den Bäumen markiert. Der Pilgerweg führt grundsätzlich durch Waldwege und Feldwege mit wenigen Kilometer Ausnahme. Die Pilgerwege können sowohl von den Wanderer, als auch von Radpilgern benutzt werden.

    10. Übernachtungen: Die Schlafmöglichkeiten befinden sich bei/in Kirchen und Klöstern. Ohne der Legitymacja Pielgrzyma (Pilgerausweises) ist die Übernachtung hier nicht möglich. Die Übernachtung ist kostenfrei, aber über eine donativo (Spende) würde man sich sehr freuen. Diese Einrichtungen sind in der Übernachtungsliste mit Fettbuchstaben geschrieben. Ähnlich wie in Frankreich wird um eine Vorreservierung gebeten. Die Übernachtungsstätten sind sehr asketisch gehalten so dass eine Isomatte sowie Schlafsack ein Muss sind. Es besteht auch die Möglichkeit in den kommerziellen Einrichtungen zu übernachten. Bei Vorlegen des Pilgerausweises wird in einigen Unterkünften eine Ermäßigung gewährt.

    11. Pilgerausweis (Credencial) Mit dem Ausweis kann der Pilger im Sinne der Pilgerschaft in den Übernachtungsstätten ruhen. Bei Ankunft zeigen Sie den Pilger-Ausweis und lassen ihn abstempeln. Die Stempel weisen nach, welchen Weg Sie zurückgelegt haben und wecken nach der Reise so manche Erinnerungen. Die letzte polnische Stempelstelle befindet sich im Muzeum Łużyckie (Lausitzer Museum) in Zgorzelec, nur 200 Meter vor der Altsstadtbruecke in Goerlitz. Das Zetrtifikat Ihres Pilgerweges bekommen Sie per Post, wenn Sie an biuro@camino.net.pl eine E-Mail mit den gescanntem Pilgerpass schicken. Als zusätzliches Vorteil ist anzusehen, dass er sich gut eignet, um mit Gastfamilien ins Gespräch zu kommen. Wenn Sie die Jakobsmuscheln besitzen, nehmen Sie sie unbedingt mit. Sie soll nicht nur das Pilgerzeichen sein, sondern das Interesse wecken, zur Popularität und Völkerverständigung beitragen.

    12. Seelsorge Auf dem Pilgerweg besteht immer die Möglichkeit in einer Kirche die heilige Messe oder einen Gottesdienst zu besuchen, besonders aber bei den Übernachtungskirchen. Vor allem die Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen beweisen die Religiosität der polnischen Bevölkerung.